{"id":12268,"date":"2018-01-29T07:50:58","date_gmt":"2018-01-29T07:50:58","guid":{"rendered":"http:\/\/web.ittenbach.org\/?page_id=12268"},"modified":"2022-11-29T15:47:16","modified_gmt":"2022-11-29T15:47:16","slug":"erinnerungen-an-das-alte-ittenbach","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ittenbach.org\/?page_id=12268","title":{"rendered":"Erinnerungen an das alte Ittenbach"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_12270\" aria-describedby=\"caption-attachment-12270\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-12270\" src=\"http:\/\/web.ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.04-300x197.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.04-300x197.png 300w, https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.04.png 312w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12270\" class=\"wp-caption-text\">Bauernhof Kemp am D\u00f6ttscheider Weg<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>\u00d6ttemich vor einem halben Jahrhundert <\/strong>&#8211; von Liesel Linn<\/em><\/p>\n<p>Als meine Eltern sich im Jahr 1951 entschlossen, von Siegburg nach Ittenbach zu ziehen und hier zu bauen, war \u201e\u00d6ttemich\u201c noch eine selbstst\u00e4ndige Gemeinde, unabh\u00e4ngig von K\u00f6nigswinter. Einer der hiesigen Bauern, Herr Haaks, war Ortsb\u00fcrgermeister, und mein Vater musste sogenannte \u201eHand- und Spanndienste\u201c leisten wie alle M\u00e4nner bzw. als Geistesarbeiter sich davon freikaufen. Daf\u00fcr bekam er das Grundst\u00fcck \u2013 ein Acker am D\u00f6ttscheider Weg \u2013 f\u00fcr 1 DM pro Quadratmeter.<\/p>\n<p>Ja, der D\u00f6ttscheider Weg \u2013 damals ein unbefestigter Feldweg voller Schlagl\u00f6cher (heute ein asphaltierter Weg voller Schlagl\u00f6cher). Bei Regenwetter konnte man nur mit Gummistiefeln durch den Schlamm stampfen; die wurden dann vorne beim Bauern Kemp gegen normale Schuhe ausgetauscht, bevor wir in den Bus nach K\u00f6nigswinter stiegen. Dieser Bus von der Post fuhr viel seltener als heute. Ich erinnere mich, dass wir manchmal zu Fu\u00df von K\u00f6nigswinter nach Hause gelaufen sind und dann trotzdem weit vor dem n\u00e4chsten Bus zu Hause waren. Daf\u00fcr war die Fahrt aber auch viel gem\u00fctlicher und lustiger! Man kannte die einzelnen Fahrer mit Namen: den Addi, den Reinhold usw., und nat\u00fcrlich auch die einzelnen Mitfahrer von der Haltestelle \u201eLinde\u201c. Und wenn Olga in letzter Minute um die Ecke gesaust kam, hielten wir den Bus fest, bis sie mit h\u00e4ngender Zunge eingestiegen war. Das gab dann viel Spa\u00df am fr\u00fchen Morgen. Meine Br\u00fcder fuhren mit dem \u201eMoos\u201c nach Siegburg ins Gymnasium \u2013 einem blauen Bus, der einem Privatunternehmen geh\u00f6rte. Der fuhr noch seltener als die Postbusse nach K\u00f6nigswinter!<\/p>\n<p>Damals spielten die Bauern noch eine gro\u00dfe Rolle im Dorf und man konnte noch mit Fug und Recht singen: \u201eIm M\u00e4rzen der Bauer die R\u00f6sslein einspannt\u201c. Es war ein sch\u00f6nes Bild, wenn der Bauer Kemp hinter dem Pflug her schritt, der von zwei Ackerg\u00e4ulen gezogen wurde. Die frische Scholle gl\u00e4nzte, die Pferde dampften, und die Kommandos des Bauern klangen durch den Fr\u00fchlingsmorgen. So etwas kann kein Traktor bewirken! T\u00e4glich wurde die frische Milch von Kemp geholt \u2013 frisch aus dem Kuhstall und von Hand gemolken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12271\" aria-describedby=\"caption-attachment-12271\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-12271\" src=\"http:\/\/web.ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.19-300x148.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"148\" srcset=\"https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.19-300x148.png 300w, https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.19.png 728w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12271\" class=\"wp-caption-text\">Blick auf \u00d6lberg und Hardtweg, etwa 1949<\/figcaption><\/figure>\n<p>An warmen Sommerabenden wurde einer von uns mit einem Krug zum \u201eLinden-Eckchen\u201c geschickt, um frisch gezapftes Bier f\u00fcr unsere Eltern zu holen. Dann sah man manchmal noch den Schmied, Herrn B\u00fcllesfeld, vor dem gro\u00dfen Tor ein Pferd beschlagen; es zischte und qualmte, und ich kann mich noch an den etwas versengten Geruch erinnern, der dabei entstand.<\/p>\n<p>Im Dorf gab es zwei \u201eTante-Emma- L\u00e4den\u201c, Schmitz und Halm, wo man fast alles Notwendige bekam und immer mit Namen begr\u00fc\u00dft wurde. Zwei B\u00e4ckereien erg\u00e4nzten das Angebot.&nbsp;Wenn ich heute bei den Kirchenchorproben den Robert Halm und den Bruno Schmitz treffe, sehe ich manchmal in Gedanken noch deren Eltern hinter dem Ladentisch!<\/p>\n<figure id=\"attachment_12273\" aria-describedby=\"caption-attachment-12273\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-12273\" src=\"http:\/\/web.ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.30-300x171.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.30-300x171.png 300w, https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.30.png 402w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12273\" class=\"wp-caption-text\">Halm und Sohn, sp\u00e4ter \u201eSPAR Halm\u201d, 1952<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Ittenbach gab es auch damals schon eine Poststelle. Sie befand sich im Fachwerkhaus der drei Damen Michels \u2013 damals noch \u201eFr\u00e4ulein Michels\u201c genannt, weil sie unverheiratet waren. Man ging an einem wunderbar gepflegten Gem\u00fc- segarten vorbei auf die Haust\u00fcr zu und musste sich dann im Flur in die Schlange der Wartenden einreihen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12274\" aria-describedby=\"caption-attachment-12274\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-12274\" src=\"http:\/\/web.ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.42-300x174.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.42-300x174.png 300w, https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.42.png 401w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12274\" class=\"wp-caption-text\">Edeka Schmitz, 1960<\/figcaption><\/figure>\n<p>Da konnte einem schon mal der Blutdruck hochsteigen, wenn die eine Frl. Michels, die hinter dem Schalter sa\u00df, mit \u00e4tzender Langsam- keit und sichtlicher Schadenfreude Briefmarken oder Post sortierte \u2013 ohne R\u00fccksicht auf die wartenden Kunden. F\u00fcr Abwechslung und manchmal auch Angst sorgte ab und zu der gro\u00dfe Bernhardiner, der selbst die Zimmert\u00fcren \u00f6ffnete und im Flur auftauchte. Er war sicher ein gut- m\u00fctiges Tier; aber schon die Vorstellung, dass er mit einem einzigen Pfotenhieb jeden Erwachsenen h\u00e4tte umwerfen k\u00f6nnen, gen\u00fcgte f\u00fcr den entsprechenden Respekt.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch etwas \u00fcber das Ittenbacher Gebetsleben. In den 50-er Jahren war die Kirche noch viel kleiner als heute; erst sp\u00e4ter wurde sie um das Seitenschiff und den Chorraum erweitert. Daf\u00fcr war sie aber auch sonntags restlos gef\u00fcllt, so dass einige M\u00e4nner hinten stehen mussten. Wenn wir beim Glocken- l\u00e4uten durchs T\u00e4lchen gingen, str\u00f6mten die Ittenbacher von allen Seiten zur Kirche; neulich sagte mein Bruder mit einiger Ironie: \u201eGuck mal, da str\u00f6mt ja schon wie- der einer!\u201c Obwohl wir auch heute nicht klagen k\u00f6nnen \u2013 im Vergleich mit st\u00e4dtischen Kirchen ist unsere Kirche noch ganz gut gef\u00fcllt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12275\" aria-describedby=\"caption-attachment-12275\" style=\"width: 325px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-12275\" src=\"http:\/\/web.ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.56.png\" alt=\"\" width=\"325\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.56.png 325w, https:\/\/ittenbach.org\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bildschirmfoto-2018-01-27-um-15.31.56-286x300.png 286w\" sizes=\"(max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12275\" class=\"wp-caption-text\">Katholische Kirche vor Anbau der Marien- und Beichtkapelle<\/figcaption><\/figure>\n<p>Erinnern Sie sich noch an Pfarrer Hamb\u00fcchen? Er predigte noch von der sch\u00f6nen Kanzel aus, wo ihn alle h\u00f6ren und sehen konnten. Er war ein strenger, aber guter Hirte, der manchmal auch herzhaft lachen konnte. Es war zu der Zeit, als es noch eine M\u00e4nner- und Frauenseite gab; wenn ein Ehepaar, wie etwa meine Eltern, nebeneinander bleiben wollte, gab es schon missbilligende Blicke. Damals trugen die Frauen noch H\u00fcte und hatten vorsichtshalber 4711 in der Handtasche, falls der Weihrauch ihnen zu sehr zusetzte. Auch ein anderer Duft geh\u00f6rte in die Sonntagsmesse: Der Duft nach Braten! Er hing in den Kleidern der flei\u00dfigen Damen, die zu Hause schon das Sonntagsmahl zubereitet hatten.<\/p>\n<p>Schade, heute riecht niemand mehr nach einem leckeren Schweinebraten \u2013 die Tiefk\u00fchltruhe hat es uns genommen. Aber die Kinder in den vorderen B\u00e4nken sind noch genauso brav wie damals \u2013 und der Kirchenchor singt noch genauso sch\u00f6n wie damals.<\/p>\n<p>So sehr hat sich \u201e\u00d6ttemich\u201c also doch nicht ver\u00e4ndert, auch wenn in- zwischen ein halbes Jahrhundert vergangen ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6ttemich vor einem halben Jahrhundert &#8211; von Liesel Linn Als meine Eltern sich im Jahr 1951 entschlossen, von Siegburg nach Ittenbach zu ziehen und hier zu bauen, war \u201e\u00d6ttemich\u201c noch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/ittenbach.org\/?page_id=12268\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eErinnerungen an das alte Ittenbach\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":12036,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12268"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12268"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12965,"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12268\/revisions\/12965"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ittenbach.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}